Sam Greenblatt wurde erst jüngst mit der Position Chief Technical Officer (CTO) für das Open webOS Projekt ernannt und hat auch Federführend die Roadmap geleitet. Nun scheint Greenblatt eine neue Stelle bei HP intern angenommen zu haben und verlässt nun das webOS Projekt. Die Gründe darüber sind noch sehr unklar, diverse Stimmen sagen dass die webOS-Entwickler bei HP mit der Geschwindigkeit des Projekts nicht einverstanden waren (keine Aussage darüber ob zu langsam oder zu schnell). Nichts desto trotz verspricht HP die Roadmap fortzuführen und den Zeitplan einhalten zu können.
HP geht seit einiger Zeit bereits einen harten Umstrukturierungsprozess durch. Nachdem Leo Apotheker angekündigt hat webOS zu beerdigen und die Personal Systems Group (PSG; PC-Sparte) in ein anderes Unternehmen auszulagern war dies direkt am Aktienkurs zu spüren. Meg Whitman machte dies alles Rückgängig und versprach webOS als Open Source System fortführen zu wollen. Nun geht HP einen weiteren Schritt. Sie vereinen die Imaging and Printing Group (IPG) und die Personal Systems Group und machen daraus eine Einheit unter der Leitung von Todd Bradley. Wieso Leo Apotheker dies damals schon nicht gemacht hat? Fragt mich nicht, die Vorteile liegen jedoch klar auf der Hand: Viel Einsparungen im Marketing und auch Schlüsselstellen wie die Finanzabteilung müssen nicht doppelt belegt werden.
Dieser Schritt bringt auch webOS wieder ein Stück näher auf Drucker (und PCs). Nach der Palm-Übernahme wollte HP nämlich schon diese 2 getrennten Einheiten (hört sich doof an, ich weiß) zusammen haben, schon lange haben sie nämlich den Plan webOS auf ihre Drucker zu bringen um so eine einheitliche Experience anzubieten. Auch auf den PCs sollte es einst standardmäßig zum Einsatz kommen, natürlich jedoch nur als “Programm” im eigentlichen Windows. Mit dieser Entscheidung kommt all dies wieder in greifbarere Nähe.
Als HP Palm übernahm war klar, dass es lange Anstrengungen benötigen wird um die Produkte zu entwickeln und zu positionieren. Leo Apotheker hat dies als CEO von HP vorzeitig gestoppt aus Gründen die wohl lange ungeklärt bleiben werden. Phil McKinney (ex HP CTO) welcher als großer Denker ebenfalls das Unternehmen im Oktober verlies hat nun ein Buch geschrieben und ihm Rahmen dessen ein Interview gegeben. Dort gibt er Einzelheiten über die Gründe der webOS-Entscheidung von Leo Apotheker.
Der ursprüngliche Plan war es nämlich Palm 3 Jahre lang performen zu lassen, ohne den Einfluss von HP, und dann zu entscheiden ob es sich lohnt das Ganze weiterzuführen. Weil Leo Apotheker jedoch zu ungeduldig war hat er den Prozess nach nur einem Jahr vorzeitig beendet. Phil McKinney war persönlich nicht in diese Entscheidung involviert und ist nach wie vor darüber sehr traurig. Den kompletten Auszug (auf Englisch) bekommt ihr im Anschluss. Ich kann mich noch mal wiederholen: Schade Leo!
[The Palm acquisition] was going to be a long term effort. Palm was struggling and HP was stepping in, doing the acquisition, and we were basically going to take three years hands-off. Palm was basically going to get cash infusions, resources, and expertise. But Palm was going to be given three years to basically get itself positioned to be a market leader in its space. Now, fast forward to July of 2011 and, one, you had a swap out of the CEOs – Leo comes in as the new CEO – and HP, for whatever reason – I was not a part of this decision – made the decision to kill it, one year into the three year program. This is an example of not committing long term to the resources and not having patience for innovation.
webOS Ingenieure werden versetzt – die restlichen Mitarbeiter ziehen um
Als HP noch webOS Hardware baute hatten sie großen Bedarf an Ingenieuren, die die Software an die Geräte anpassten. Nachdem webOS nun Open Sourcen werden soll sind all diese Arbeitskräfte nicht mehr nötig und von den 500 verbleibenden webOS-Mitarbeitern werden 275 in andere Abteilungen versetzt. Ob welche davon auch komplett gehen müssen halte ich für unwahrscheinlich, HP hat insgesamt 350.000 Mitarbeiter und wird für diese (in relation) wenigen Mitarbeiter sicherlich Stellen finden. Ob davon wirklich jeder bei HP bleiben will oder andere Herausforderungen sucht steht auf einem anderen Blatt.
Gleichzeitig will HP den vormaligen Palm-Campus mit knapp 1000 Arbeitsplätzen anderweitig nutzen, da dieser nun viel zu überdimensioniert ist. Die 225 verbleibenden webOS-Mitarbeiter ziehen deshalb nach Cupertino in ein Gebäude das sie übernommen hatten als sie ArcSight in 2010 gekauft hatten.
Der Schritt von webOS den Standard Linux-Kernel zu verwenden ist ein guter Schritt, wie wir bereits herausgefunden haben. Nun hat webOS CTO Sam Greenblatt noch ein paar weitere Details verlauten lassen. Demnach wird der Kernel 3.3 auch die standard Android Treiber enthalten. Dies bedeutet dass es noch einfacher sein wird webOS auf andere Geräte zu portieren, sowohl für die Hersteller als auch für die Community. Jedoch wird vermutlich nicht alles funktionieren, wie zum Beispiel die Netzverbindungen, da diese meist nicht als Open Source-Code vom Hersteller herausgegeben. Dennoch sehr gut zu hören und ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.









